Köln. Mehr als zehn Millionen gesetzlich Versicherte nehmen an der hausärztlichen Versorgung (HZV) teil. Das entspricht nahezu 15 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland. Dieser „Meilenstein“ steht laut einer Mitteilung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (HÄV) zur Frühjahrstagung des Verbandes für die wachsende Bedeutung der hausärztlichen Versorgung im Gesundheitssystem. Der Erfolg prädestiniere die HZV als Blaupause für das geplante Primärarztsystem der neuen Bundesregierung. In einer gemeinsamen Pressemitteilung bezeichnen HÄV und der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein die HZV als bewährtes Modell für eine koordinierte und effiziente Patientenversorgung.
Hausarztzentrierte Versorgung „der einzig realistische Weg“ zum Primärarztsystem
Sprecher der Verbände bezeichneten die HZV auf der Frühjahrstagung als Lösung mit „riesigem Potenzial“ für die zukünftige Gestaltung der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Mit den richtigen politischen Impulsen könne die HZV weiter wachsen und einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der Herausforderungen im Gesundheitssystem leisten, so Elke Cremer, erste Vorstandsvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Nordrhein. Auf die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung zu setzen, sei „der einzig realistische Weg, diese Reform in absehbarer Zeit zu stemmen“, schreibt Cremer in dem gemeinsamen Statement mit den HÄV-Bundesvorsitzenden Professor Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier.
Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, ein verbindliches Primärarztsystem in Deutschland zu etablieren. Die Verbände fordern die Bundesregierung auf, dieses Vorhaben zügig umzusetzen und dabei auf der bestehenden HZV-Struktur aufzubauen. Im HZV-Modell verpflichten sich Patienten, zunächst ihre Hausarztpraxis aufzusuchen, die dann die weitere Behandlung koordiniert. Wissenschaftliche Studien belegen nach Verbandsangaben, dass dieses Modell die Qualität der Versorgung verbessert, Doppeluntersuchungen vermeidet und Krankenhausaufenthalte reduziert. Daher sei „die Frage nicht mehr, ob es diese Reform braucht, sondern wie wir sie umsetzen“.
Klares Votum der Hausärzte für die neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄneu)
Auf der Tagung befürwortete der HÄV die geplante Novelle der neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄneu). Die 120 Delegierten beschlossen einen Antrag mit der Forderung, die „GOÄ-Reform nicht weiter zu verschleppen“. Die neue GOÄ wurde von der Bundesärztekammer (BÄK) und dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) ausgearbeitet und soll nach gegenwärtigem Stand der Diskussion auf dem Deutschen Ärztetag Ende Mai in Leipzig beschlossen werden. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist aber noch offen.
Ein weiteres wichtiges Thema der HÄV-Frühjahrstagung am 9. und 10. Mai war die Einführung der Elektronischen Patientenakte (ePA). In früheren Stellungnahmen hatte der HÄV die ePA-Einführung grundsätzlich befürwortet, dabei aber gleichzeitig gefordert, die Praxen bei der Einführung nicht zu überfordern und ausreichend Zeit für die Integration in die Versorgungsabläufe zu gewähren.
Dr. Wolfgang Ritter zum neuen stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt
Die Delegierten wählten außerdem Dr. Wolfgang Ritter zum zweiten stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Ritter ist Hausarzt in München und Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Er folgt auf Anke Richter-Scheer, die zur stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe gewechselt und von ihrem Amt im Bundesverband zurückgetreten war.
Weitere Informationen zur Frühjahrstagung 2025 auf der Website des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes: www.haev.de.










